Aus den Archiven: Wenn du mich fragst...
23.11.09, 23:53
Diesen Song hatte ich damals im Gepäck, als Universal - oder irgend so ein Vogel - Songwriter aus ganz Deutschland nach Berlin einlud, um an einem Wochenende gemeinsam das neue Album von Yvonne Catterfeld et alii zu machen. Jedenfalls wurde man in Gruppen zusammengesteckt. In jede einen Sänger, einen Beats-Bastler, einen Gitarristen, leihweise eine Sängerin – und los ging die Komponiererei. Am Ende des Wochenendes kam furchtbarste Grütze raus. Aber ich hatte den Gitarristen und Komponisten Eike Jung kennengelernt, der mir in einer durchzechten Nacht ein Gitarrensolo auf meinem Laptop einspielte, zu einem meiner unfertigen Songs. Hier die Version:
Lehmann - Wenn du mich fragst (Instrumental)
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Gerade in der Textsammlung von 07/08 gefunden
14.11.09, 00:46
"Weil kein echter selbstaffirmativer Kern dabei war, sondern wirklich eine sehr tiefreichende Verunsicherung über den eigenen Platz in der Welt und ein tiefes Unrechtsgefühl hinsichtlich der Berechtigung des eigenen Wesens a) an eine neue Generation und zweitens an Zuwanderer auch nur weitergeben zu wollen. Es ergab sich so eine Art Prägeschwäche, eine didaktische Schwäche, alles, was mit affirmativen Kulturformulierungen zu tun hat, mit Transmission, wie die französischen Kulturwissenschaftler das nennen würden, d.h. mit der Weitergabe von Kultur an eine nächste Generation, das alles geriet in ein Zwielicht, in dem es fast wie eine Vergewaltigung der Zöglinge wahrgenommen worden ist, wenn man sich die Freiheit nahm, ihnen Wertebewusstsein beizubringen bzw. sie zum Teil einer Tradition zu machen.
Wir wollten eine Tradition stiften, die auf dem permanenten Bruch mit der Tradition beruht, insofern waren wir auch Musterschüler des Modernismus in gewisser Weise, denn Moderne heißt ja, immer mit dem gerade Gewesenen zu brechen und aus dem Elan des permanenten Neuanfangs heraus zu existieren, aber man kann das in Künstlerkreisen machen, man kann nicht ganze Nationen in Avantgarden umwandeln und wir haben, glaube ich, den Avantgardebogen überspannt, weil wir können nicht mit 80 Millionen Menschen Avantgarde spielen."
(Urheber mir unbekannt, bin für Hinweise dankbar.)
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Epigonen 2.0
13.7.09, 20:10
Danke der Nachfrage, aber ich spiele nicht auf dem Horst Festival in Mönchengladbach. Und da wird uns allen noch ganz schön was blühen: Irgendein Hanswurst knüpft irgendeinen Knoten zuviel ins Netz und schon ist man jemand ganz anderes und macht saublöde Musik dazu. Weg da!| 0 Trackbacks | Permalink
Die Erde den Menschen
14.6.09, 01:11
Mitten in der Innenstadt meiner Stadt gab es einmal einen Tag, an dem man Kriegsspielzeug gegen pädagogisch wertvolles eintauschen konnte. Ich war vielleicht ein Bub von acht Jahren und trennte ich mich von der Hälfte meiner Deutschen. Die Engländer, die Japaner und die Amis kamen ganz weg. Im Gegenzug bekam ich ein ordentliches Kugelspiel und eine Krokodilhandpuppe. Für meine durchbohrte Faschingspistole gab es ein Buch von Enid Blyton.
Dann holte ich mein Playmobil raus. Sie wollten es nicht. Es wäre gar nicht so schlimm und mit Playmobil gingen ja auch Bauernhof und Müllabfuhr. Ich zeigte ihnen meine Piraten und Ritter. Dann die ganzen Demonstranten, die ich mit allerhand Sicheln und Mistgabeln bewaffnet hatte, und die Polizisten. Ich ließ alle aufeinander los.
Die Damen von Terre-des-Hommes gaben mir dafür einen Roller. Ich war schon zu alt für Roller. Also wartete ich etwas entfernt von dem Stand, bis kleinere Kinder mit Kriegsspielzeug zum Eintauschen kamen. Ich tauschte meinen Roller gegen einen guten Haufen Kriegsspielzeug. Wo ich vorher nur Minisoldaten hatte, hatte ich jetzt große Soldaten und einen stattlichen Panzer. Und ich besaß noch die Hälfte meiner Deutschen als Minisoldaten.
Bei der ersten großen Schlacht in meinem Zimmer zeigte es sich allerdings, dass die Deutschen gegen die Amis nicht mehr den Hauch einer Chance hatten. Das fand dann auch meine Mutter, die anfangs noch wegen des neuen pädagogisch wertvollen Spielzeugs skeptisch war.
[11. April 2004, 03:21 Uhr]
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Rituelle Eigenblutverbrennung
14.6.09, 00:22
Das erste, was in die DPSG - ein Pfadfinderclub, dem ich laut Kontoauszug bis zum heutigen Tage überschrieben bin – als Neuerung eindrang, war die Sozialpädagogik. Der „Staat“ traf sich des Abends in der Hütte in verschworenem Kreise fernab der „Geleiteten“, die ahnungsvoll am Lagerfeuer saßen, und trank Tee bei einer Runde „Reflexion“, das manch einer falsch schrieb ins Protokoll.
“Reflexion“ – nicht „Reflektion“, Jürgen! - bedeutete, die Seele baumeln zu lassen, den Tag passieren revue und zu erzählen, was so alles gelaufen ist und was misslang, was einem an die Seele ging oder knisterte als Schwelbrand seit Tagen.
„Hach“, sagte da mancher, „wenn ich das gewusst hätte, wär ich nicht mitgekommen. Dass da Kinder aus zerrütteten Familien, also sollte man nicht gerade bei den Pfadfindern darauf achten, dass da nicht nur das Grauen herrscht, das Lachen der Kinder, von zuhause weg zu sein? Sollte da nicht irgendwie auch ein frischer Wind herrschen, jetzt mal in bezug zur Natur hier, sollten die nicht mal innehalten, das sind alles Kinder, sollten sie nicht einfach mal nichts tun und sich ergreifen lassen von dem, was sie umgibt? Wozu macht man das Nachtwandern? Sprechen verboten, lauschen, sich schwach verwunden lassen im Gestrüpp, unheilvolles Geknister im Wald und keiner spricht. Und es kehrt Ruhe ein.“
Währenddessen, als man sich in der Hütte Wort um Word gab, süße Reflexion, saßen die Kleinen am Lagerfeuer. Einer, zwei, manchmal auch drei setzten sich abwechselnd an den Rand der heißen Steine und hielten Stöcke hinein, an denen Schnüre hingen oder eine Schnake klebte oder ein Minieigenblutfleck rituell verbrannt wurde. Es war Ruhe eingekehrt.
[15. Januar 2004, 02:25 Uhr]
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Danksegnung
4.1.08, 00:26
Ich danke den erstaunlich zahlreichen Leuten, die mir in der letzten Zeit eine Nachricht zukommen ließen mit dem Tenor: "Die Randalaise muss unbedingt weiter gehen." Natürlich geht sie weiter.
Womit wir beim Thema wären. Aber dies beim nächsten Mal.
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Kohäsion ist wichtig
7.10.07, 02:02
Richtiger Stil fängt mit Macht an. Sie dürfen sie nicht verabscheuen. Stil beginnt mit Macht. Wer keine hat, muss keinen entwickeln. Und wer viel hat, muss ihn umso mehr entwickeln. Den Guten unterscheidet vom Bösen allein die Frage des Stils.| 0 Trackbacks | Permalink
Jugendwonnen
3.10.07, 11:43
Randalaise im Nerd-TV: "Hastemanemark" am 18.10.01 live auf NBC GIGA. Die Hüftsteife, das Vollplayback und der instrumentale Dilettantismus sind echt.| 0 Trackbacks | Permalink
Tocotronic - Kapitulation
6.8.07, 22:00
Tocotronic kapitulieren, weil das Bürgertum, das sie kritisieren, inzwischen cooler geworden ist als sie selbst. Mit ihrer Kapitulation zelebrieren sie ihr Scheitern und ihren offiziellen Wechsel auf die sichere Seite. Von der bankrotten Indieklitsche Lado ins angenehmere Finanzklima eines Konzerns – damit lässt sich das Slackertum pflegen, ohne dass auf die Annehmlichkeiten des Alters verzichten werden muss. Die Presse gibt sich begeistert. Zusammen stehen die Dandys ihren Mann: „Halt die Maschine an. Wir fahrn mit. (Und zum Publikum:) Entschuldigung, das hamma uns erlaubt.“
All das ändert an der Wichtigkeit der Band überhaupt nichts. Und an der inhärenten Schönheit der neuen Lieder schon gar nichts. Jugend, ihr habt zu lange ohne Väter gelebt!
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Die Fehler des Logisten
25.3.07, 19:41
Wie geht's dir?
Wie's mir geht? Naja, die neue Monta ist ja nun schon eine Weile her, aber als Soundtrack zum neuen Biedermeier, Kammerpop für die Klimakammer, legt sie doch eine gewisse nachhaltige Wirkmächtigkeit an den Tag. Kaufen, nicht saugen.
Allmächt! Hat doch selbst der Frankenposchardt in einer der ersten Ausgaben - oder war es die erste sogar? - von Vanity Fair dem Biedermeier neue Bedeutung zugesprochen, so ganz weit weg von Gartenzwerg und Goldkante. Saubub, dreister.
Wie's mir noch geht? Geh ich in die Vorpremiere von "300" mit der neuen Manowar kurz zuvor noch im Ohr, ist "300" nichts anderes als die neue Manowar. Will heißen: Keyboard-CGI, Gitarren-Schlachten, Bass-Gebrumme aus tiefster Kehle - schreien alle Mannen im Chor: "I'm the King of Kings, scheiß auf die Army of Immortals, die schnupfen wir quer, eat my sword, Valhalla! Geh scheißen, Xerxes!" Sucht da wer den Subtext, die leise Ironie? Arme, bedeutungslose Sau.
Und dann ist da - so geht's mir! - ein Schreiber, der an der Schrift hängt und die Zukunft ultimativ zuletzt ins Ewiggestrige verbannt. Es geht also voran!
Jetzt noch schnell Morddeutung zuende gelesen, wo der Freud und der Jung mitspielen, und der Freud sein Wasser nicht mehr an sich halten kann. Und "Fargo Rock City", das über den Hairspraymetal phänomenologisch die 80er (v)erklärt. Gut gelacht, sehr gutes Buch.
Bis zur neuen G'n'R!
Alles Liebe,
POKE 646,1:SYS 64738
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